Interview mit Magdalena Brunner, Olympia-Sportlerin

 

Die talentierte Synchronschwimmerin Magdalena Brunner (Bild mit Virginie Dedieu) hat beschlossen, ihre sportliche Karriere nach dem zehnten Duett-Rang an der Olympiade in Griechenland weiterzuführen. In einem Insider-Interview erzählt sie von ihren Erlebnissen in Athen, was sie dazu bewogen hat weiterzuschwimmen und wie ihre Zukunft aussieht.

 

 

Welche Eindrücke hast du von Olympia 2004 mit nach Hause genommen?

Es war ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis. Es war ein grossartiges Gefühl, mit der Schweizer Delegation ins Olympiastadion einzumaschieren und zu wissen, dass man zu den besten Schweizer SportlerInnen zählt.

 

Im Olympiajahr haben Belinda Schmid und du täglich sechs bis acht Stunden trainiert. Hat sich der grosse Trainingsaufwand gelohnt?

Ja, definitiv. Es war eine wunderschöne Erfahrung, für ein Jahr professionell trainieren zu können und zu sehen wie das ist. Die im Synchronschwimmen führenden Nationen haben das Glück, immer so trainieren zu können. Das ist schon beneidenswert. Wir haben in diesem Jahr sehr grosse Fortschritte gemacht und darauf bin ich sehr stolz.

 

Warst Du am Tag des Wettkampfs nervöser als sonst? Wie bist du mit dem grossen Druck umgegangen?

Nein, ich war nicht nervöser als sonst. Ich spürte, dass wir sehr gut vorbereitet waren und bereit, gute Leistung zu erbringen. Es war mir eine Ehre und eine Riesenfreude, die Schweiz in Athen vertreten zu dürfen.

 

Bist du mit dem Resultat zufrieden?

Obwohl mir im Kurzprogramm ein Fehler unterlaufen ist, und ich nicht meine persönliche Bestleistung zeigen konnte, bin ich trotzdem sehr zufrieden mit unserem Abschneiden. Wir haben die freie Kür im Vorlauf und im Final praktisch fehlerlos gezeigt und waren sehr zufrieden mit beiden Darbietungen.

 

An einer Olympiade teilnehmen zu können ist für die meisten Synchronschwimmerinnen der Höhepunkt ihrer Karriere. Was hat dich dazu bewogen, deine sportliche Karriere weiterzuführen?

Nach einer Saison, wo ich fast nur Duett trainiert habe, will ich nun schauen, wie weit ich es mit dem Solo bringen kann. Synchronschwimmen ist ein sehr schöner Sport und meine grosse Leidenschaft.

 

Wieso hast du von den Limmat Nixen wieder zu deinem Heimat-Club, dem SC Flös Buchs gewechselt?

Um mich persönlich weiterentwickeln zu können, brauchte ich eine Änderung. Ich weiss, dass ich von unterschiedlichen Trainingsmethoden profitieren kann und ganz besonders die Möglichkeiten, die sich mir in Frankreich bieten, sind sehr wertvoll. Der SC Flös unterstützt mich bei meiner “Wissbegierde” voll und ganz, und ich geniesse es im Moment, individueller zu trainieren.

 

Was sind deine Ziele für dieses Jahr?

Ich habe eine sehr strenge und intensive Saison hinter mir und möchte dieses Jahr wieder Kraft, Energie und Freude tanken. Mein Ziel ist es, die Schweiz an der WM 2005 im Solo zu vertreten.

 

Wie bereitest du dich darauf vor?

Wie gesagt war die letzte Saison sehr intensiv. Ich brauchte eine längere Erholungspause als nach einer gewöhnlichen Saison. Seit Januar trainiere ich zwischen fünf und sechs Stunden täglich. Zuerst habe ich einen Monat in Aix-en-Provence verbracht, beim besten Club in Frankreich, wo auch Virginie Dedieu (Weltmeisterin) her kommt. Sie ist eine grossartige Athletin und hat mir viele neue Wege gezeigt, um an meinen Schwächen zu arbeiten. Ich habe viel von Virginie gelernt und möchte nun diese Tipps und Tricks umsetzen.

 

Wie motivierst du dich, immer wieder bis ans Limit zu trainieren? Und wie unterstützt du deine Teamkolleginnen, die dich als Idol und Leader ansehen?

Ich habe ein klares Ziel und weiss genau, was ich erreichen möchte. Dies motiviert mich und lässt mich nach Perfektion streben. Meine Teamkolleginnen sehen, was man mit viel Training, Fleiss und Ehrgeiz erreichen kann, und ich denke, dass wir uns so gegenseitig zu persönlichen Bestleistungen anspornen. Ich gebe meinen Teamkolleginnen auch gerne Tipps und unterstütze sie, wo immer ich kann. Das Synchronschwimmen ist ein Teamsport und wir sind am erfolgreichsten, wenn wir uns gegenseitig helfen und voneinander profitieren können.

 

Worauf fokussierst du dich im Moment im Training?

Im Moment versuche ich, meine Paddeltechnik zu verbessern und an ihr zu feilen. Ich habe von Virginie viele Inputs und Ideen erhalten und nehme mir nun die Zeit, alles auszuprobieren.

 

Möchtest Du 2008 an der Olympiade in Peking dabei sein?

An Olympia 2008 denke ich im Moment noch nicht. Ich schaue, wie diese Saison läuft, wie sich alles entwickelt, und dann werde ich mich entscheiden.

 

Auf was für Küren dürfen wir uns 2005 freuen?

Ich möchte nicht zu viel verraten. Über meine Freie Kür bin ich selbst gespannt, da ich sie zusammen mit Virginie Dedieu choreographieren werde.

 

Wie sieht deine berufliche Zukunft aus?

Im Moment absolviere ich ein Fernstudium bei der AKAD. Ich mache die kaufmännische Berufsmatur. Mein Traum ist es, später im Sportbereich zu arbeiten, zum Beispiel im Bereich Sportmanagement und -marketing.

 

Wie hat das Synchronschwimmen dein Leben beeinflusst?

Das Synchronschwimmen hat mein Leben in vielen Dingen beeinflusst. Durch den Sport bin ich sehr viel in der Welt herumgekommen und dies hat meinen Horizont erweitert, meine ganze Denkweise und meine Lebenseinstellung geprägt. Hätte ich diesen Sport nicht gemacht, wäre ich bestimmt nicht da, wo ich jetzt bin.

Ich habe dem Synchronschwimmen sehr viel zu verdanken und bin froh, dass ich diesen Sport gewählt habe.

 

Was rätst du jungen Sportlerinnen, die davon träumen, auch einmal an einer Olympiade dabei sein zu können?

Träumt nicht nur, sondern versucht eure Träume zu leben! Auch wenn der Weg manchmal steinig und hart ist, und ihr nicht immer ein Licht am Ende des Tunnels sehen könnt. Es lohnt sich, sich für das einzusetzen, was man wirklich will – und dann auch dafür kämpft.